Fortbildung ist in jeder Tierarztpraxis Pflicht. Kammerrecht, fachspezifische Nachweispflichten, der medizinische Fortschritt zwingen Praxisinhaber und Tiermedizinische Fachangestellte zunehmend in die Seminarräume. Was dann auf der Rechnung des Veranstalters steht, ist nur ein Teil der Wahrheit: Wer seine Praxis wirtschaftlich führt, muss die Gesamtbelastung eines zweitägigen Präsenzseminars genau durchrechnen, bevor er eine Entscheidung gegen die analoge und für die digitale Fortbildung treffen kann.
Die sichtbaren Kosten: Seminargebühr, Anfahrt, Übernachtung
Die direkten Kosten sind leicht zu beziffern: Eine zweitägige Fachfortbildung kostet je nach Anbieter und Thema 400 bis 900 Euro pro Person. Dazu kommen Fahrtkosten, bei einer durchschnittlichen Patientenpraxis ist man da mit 250 Kilometern bis zum Seminarort schnell bei 150 Euro, gerechnet mit der steuerlichen Kilometerpauschale von 0,30 Euro. Zwei Übernachtungen in einem Geschäftshotel kosten zwischen 180 und 260 Euro, die Verpflegung und Nebenkosten liegen bei 60 bis 100 Euro pro Tag. Das ergibt für uns eine Summe, die einem Einzelnen realistisch zwischen 850 und 1500 Euro beträgt. Reisen zwei Personen aus der gleichen Praxis, z. B. Tierarzt und TFA, verdoppelt sich dieser Block fast.
Der eigentliche Kostenfaktor: Umsatzausfall
Was in vielen Kalkulationen fehlt, ist der nicht erzielte Praxisumsatz. Eine kleine Tierarztpraxis mit einem Behandlungszimmer erzielt laut bpt (Bundesverband praktizierender Tierärzte) pro Tag einen durchschnittlichen Umsatz zwischen 1800 und 2500 Euro. Wären für zwei volle Tage die Praxistüren zu, läge der Erlösausfall zwischen 3600 und 5000 Euro. In Mehrbehandlerpraxen mit mehreren Zimmern verdoppelt sich dieser Betrag sogar, denn ein leerstehendes Zimmer erzeugt Fixkosten, aber keinen Umsatz.
Wer z. B. eine gesetzlich vorgeschriebene Fortbildung im Strahlenschutz plant, sollte diesen Ausfall in die Kalkulation mit einbeziehen. Der Verlust betrifft nicht nur die ausgefallenen Termine, sondern auch die nachgeholten Kontrollen und die Signalwirkung nach außen, wenn Klienten sich wiederholt einen anderen Anbieter suchen müssen.
Fixkosten laufen weiter
Miete, Leasingraten für Röntgen und Ultraschall, Software-Abos, die Löhne und Gehälter des zurückbleibenden Personals, Versicherungsbeiträge, alles läuft weiter, unabhängig davon, ob behandelt wird oder nicht. Legt man branchenübliche Fixkostenquoten von 55 bis 65 Prozent des Umsatzes zugrunde, laufen an zwei Schließtagen zusätzlich 2.000 bis 3.200 Euro auf, die keine Einnahmen gegenüberstehen. Diese Deckungslücke bleibt in klassischen Fortbildungsrechnungen so gut wie nie berücksichtigt.
Opportunitätskosten und Personalbelastung
Der nächste Punkt ist die Belastung des Teams. Wenn die TFA für zwei Tage freigestellt wird, muss entweder einen Vertreter eingeplant oder das verbliebene Personal überstundenmäßig aufgestockt werden. Überstundenzuschläge, Erschöpfung und der organisatorische Aufwand für die Terminverlagerung stellen weitere betriebswirtschaftliche Positionen dar. Auch die Fortbildungsforschung beobachtet diesen Trend: Untersuchungen der KfW zur betrieblichen Weiterbildung zeigen einen klaren Verschiebungstrend hin zu digitalen und hybriden Formaten, nicht zuletzt, weil bei Präsenzveranstaltungen der organisatorische Aufwand für Freistellung, Vertretung und Terminkoordination deutlich höher ausfällt.
Die Gegenrechnung mit E-Learning
Eine digitale Fortbildung entfällt in mehreren Kostenkategorien vollständig. Keine Anfahrt, keine Übernachtung, kein Fixkosten-Leerlauf. Die Lerneinheiten lassen sich in Randzeiten, während Betriebspausen oder außerhalb der Sprechstunde absolvieren. Rechnet man das zweitägige Präsenzseminar für einen Tierarzt und eine TFA in einer Einzelpraxis konservativ mit rund 6.500 Euro Gesamtbelastung, liegt ein ähnliches E-Learning-Angebot mit Prüfungsleistung meist zwischen 300 und 600 Euro pro Person. Die Differenz von 5.000 bis 5.900 Euro pro Fortbildungszyklus verändert die Kalkulation erheblich.
